Der Kauf eines Eigenheims – macht das bei diesen hohen Preisen noch Sinn?

15.04.2019
Kategorien: Rund um die Sparkasse, Immobilie
Autor: Richard Brechter Avatar für Richard Brechter

Die eigenen vier Wände, ein Traum für viele Deutsche.

Der größte Teil der Deutschen wünscht sich ein selbstgenutztes Eigenheim. Hohes Preisniveau für Mieten, zu kleiner Wohnraum und Vermieterabhängigkeit machen wohnen in den eigenen vier Wänden attraktiv. Eigenes Immobilienvermögen schaffen, Unabhängigkeit und Selbstverwirklichung erscheinen sehr erstrebenswert – aber ist dies in einem immer teurer werdenden Immobilienmarkt tatsächlich noch sinnvoll?

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

die meisten Menschen in Deutschland träumen von einem Eigenheim. Dennoch haben wir Deutschen in Europa mit 45% selbstgenutztem Wohneigentum fast das Schlusslicht in der Hand – ein Blick nach Italien und wir sehen fast 80% Wohneigentumsquote.

Ebenso sind die steigenden Mieten ein starker Hebel für potentielle Käufer. Die Mieten sind am Beispiel Kempten von 2013 bis 2018 um ca. 20% gestiegen.

Niedriges Zinsniveau vs. fehlendem Wohnraum

Höchst attraktiv ist das Zinsniveau für Immobilienfinanzierer. Lässt sich doch derzeit mit Zinssätzen zwischen ein und zwei Prozent so günstig finanzieren wie noch nie.

Der Neubau von Wohnraum hingegen entwickelt sich langsam und liegt unter dem aktuellen Bedarf – hier wirken die Maßnahmen der Politik nicht entsprechend.

Somit gibt es viel Potenzial für Nachfrage bei eigengenutzten Immobilien, die auf eine eher knappe Angebotsseite trifft. Insbesondere wirkt dies in einer weiterhin wachsenden, wirtschaftlich erfolgreichen und mit hohem Freizeitwert ausgestatteten Region wie unserem Allgäu verstärkt.

Die regionale Entwicklung der Immobilienpreise beweist dies eindrucksvoll. Eigentumswohnungen in Kempten haben die letzten 5 Jahre eine Preissteigerung von über 50% erfahren – und liegen nicht wirklich hinter den Teuerungsraten der großen Ballungsräume wie München oder Berlin zurück. Bei Häusern sieht es nicht viel anders aus – in diesem Segment haben wir eine Steigerung von ca. 30% zu verzeichnen.

Die dadurch entstehenden hohen Finanzierungsbeträge lassen einen natürlich schon zunächst etwas zurückschrecken.

Soll man den Traum der eigenen vier Wände nun deswegen aufgeben?

Wir sind der Meinung, dass die Voraussetzungen nach wie vor gut sind, wenn man einige wichtige Dinge beachtet.

Eine angemessene Eigenkapitalquote ist ein wichtiger Baustein. Der monatliche Aufwand für die Finanzierungsbelastung sollte in einem Rahmen liegen, den man zusätzlich zu seiner Mietzahlung inklusive der meist höheren Wohnnebenkosten (Instandhaltung, gestiegene Wohnfläche, etc.) gut tragen kann. Wer bisher neben der Mietzahlung nur schwer Eigenkapital bilden konnte sollte an der Stelle vorsichtig sein.

Eine gute Einnahmen und Ausgaben Rechnung hilft Ihnen bei der Verwirklichung von Ihrem Eigenheimtraum.

Unterschätzen Sie das Zinsänderungsrisiko nicht

Wichtig ist es ebenso die Risiken einer Wohnbaufinanzierung einzugrenzen. Das Zinsänderungsrisiko ist eines der größten Risiken. Kann doch ein für 10 Jahre sehr günstiger Zins nach Ablauf der Zinsbindung enorme Erhöhungen der monatlichen Belastung nach sich ziehen. Bei einer angenommenen Restschuld von 300.000 Euro nach der ersten Zinsbindung sind dies bei 2% Zinssteigerung 500 Euro im Monat.

Die schon länger anhaltenden Niedrigzinsen täuschen oft - blickt man 10 Jahre zurück lagen die zehnjährigen Zinsen noch deutlich über 4% und vor 5 Jahren war der Markt über 2%. Diese Risiken bekommt man mit Zinsabsicherungen für die gesamte Laufzeit oder zumindest mit langen Zinsbindungen gut in den Griff.

500 Euro mehr oder weniger im Monat ist kein kleines Risiko.

Sichern Sie Ihr Einkommen und Ihre Immobilie ab

Ebenso sollte man an die Vorsorge für persönliche und gesundheitlichen Zwischenfälle denken. Der Ausfall von Einkommen stellt für die Familie eine schwierige Situation dar. Zumindest die finanziellen Strapazen kann man vermeiden oder einschränken. Ob Todesfall, Arbeitsunfähigkeit oder Arbeitslosigkeit – für alle schwierigen Lebenssituationen gibt es gute Absicherungslösungen, die sich in einer Wohnbaufinanzierung integrieren lassen.

Aber nicht nur die Finanzierung muss gesichert sein. Das neue Heim stellt häufig den größten Vermögenswert dar – entsprechend sollte dieser gesichert sein. Neben laufenden Instandhaltungsmaßnahmen ist eine Versicherung wichtig um für den Werterhalt im Schadensfall zu sorgen.

Die Schneelast auf den Häuser bei uns im Allgäu ist nicht zu unterschätzen.
Viele auch noch so kleine Gewässer können dem Eigenheim stark zusetzen.

Versicherung von Feuer, Sturm und Hagel gehören zur Basisausstattung. Nicht minderbedeutend ist die Versicherung von Elementarschäden – diese sind nicht unbedingt beschränkt auf Hochwassergebiete – auch ein kleiner Dorfbach hat schon für so manche Überraschung gesorgt. Im Winter 2019 wurde uns Allgäuern auch wieder klar, dass Schneedruck die Statik von Dächern bis an die Grenzen bringen kann.  

Alles in allem kann man trotz hoher Preise aufgrund der niedrigen Zinsen eine für die persönlichen Verhältnisse passenden Immobilie gut finanzieren. Es gibt ein paar Stolpersteine denen man aber mit sehr vernünftigen Lösungen gut entgegentreten kann und auch sollte.

Sind diese Rahmenbedingungen für eine Finanzierung gegeben, orientiert sich die Suche einfach an den uns im Leben wirklich wichtigen Eigenschaften der Wunschimmobilie wie Lage, Größe, Arbeitsweg, Umfeld für die Familie, Wohlfühlfaktor und vieles mehr.

Eine Rate die man inklusive vernünftiger Risikovorsorge gut bezahlen kann und eine Immobilie in der man sich dauerhaft wohlfühlt – das ist das durchaus machbare und erstrebenswerte Ziel. Ob und wie sich der Wert der Immobilie künftig verändert spielt dann eine untergeordnete Rolle.

 

Wir wünschen Ihnen viel Erfolg bei der Umsetzung Ihres eigenen Wohnprojektes!

Gerne können Sie auch Ihren Sparkassenberater vor Ort mit allen Themen um Ihre vier Wände kontaktieren.

 

Ihr Richard Brechter

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