Mit der deutschen Sparkassenstiftung in Moldau

30.12.2025
Kategorien: Rund um die Sparkasse
Autor: Gastredakteur Avatar für Gastredakteur

Liebe Leserinnen und Leser, 

wir als Sparkasse Allgäu sind ein regionales Institut. Umso unwahrscheinlicher ist es, gleich in andere Länder zu reisen. Doch genau das habe ich gemacht. Ich war mit der deutschen Sparkassenstiftung in Moldau. 

Begonnen hat alles mit einer internen Ausschreibung. In dieser wurden verschiedene Themengebiete angeboten, auf die man sich bewerben konnte. 

Unter anderem:

  • Kurzzeitexperte für Risk-Management
  • Kurzzeitexperte für Unternehmensplanung und Entwicklung
  • Kurzzeitexperte für Beratung von Unternehmenskunden im landwirtschaftlichen Bereich

Aufgrund meiner beruflichen Stellung, hatte ich bisher weder wirkliche Berührungspunkte noch Praxiserfahrung in den genannten Gebieten. Zu den Themen Risk-Management und Unternehmensplanung hatte ich nur theoretische Erfahrung, durch mein noch laufendes Bachelorstudium in Wirtschaftsrecht und meine vorherigen Fortbildungen zum Bankfachwirt und Betriebswirt.

Nach kurzer Überlegung entschied ich mich dazu, es einfach mal zu probieren, ob die Stiftung jemand mit nur theoretischem Wissen nimmt. Ein paar Wochen später kam dann die Rückmeldung, dass mich der Projektleiter gerne kennenlernen würde und wir vereinbarten ein Termin.  Am Ende hatte ich dann die Zusage: Ich darf für zwei Wochen in die Hauptstadt Moldaus, Chişinău, und werde hier bei der Weiterentwicklung des Bankensystems unterstützen.

Nachdem alle Vorbereitungen getroffen waren, durfte ich mich auf den Weg machen. Im Flugzeug stellte ich mir dann mehrmals die Frage: „Was mache ich hier eigentlich gerade? Ich fliege in ein Land, das ich nicht kenne, zu Leuten die ich nicht kenne, um einen Bankenverband zu beraten, dessen System ich nur oberflächlich durch Berichte kenne, ohne selbst Praxiserfahrung mitzubringen und um das ganze abzurunden, alles auch noch auf Englisch“.

Flugzeug
Flugzeug
Bank vor Ort
Bank vor Ort

Das Ankündigungsschreiben meiner Person kurz nach Ankunft, an die einzelnen Banken vor Ort hat mein Gefühl erstmal nicht besser gemacht, ich war aber trotzdem sehr stolz.

Excited to welcome Benedikt Heid from Sparkasse Allgäu to Moldova! As part of the German Sparkassenstiftung Moldova’s ongoing support for local development, Benedikt will be leading an important training session focused on business development for Savings and Credit Associations. His deep experience and fresh ideas will be a great resource for strengthening Moldova’s financial institution, enhancing their capacity to server communities and promote economic growth. This exchange highlights the power of international collaboration in creating resilient and sustainable financial systems. Looking forward to the positive impact this training will bring.

Am Flughafen angekommen, holte mich ein einheimischer Mitarbeiter der Stiftung ab. Um alle Klischees zu erfüllen, er war kräftig gebaut, hatte einen starken osteuropäischen Akzent und hieß Vitali. Am nächsten Morgen im Büro angekommen, begrüßte mich der Projektleiter und eine einheimische Bankexpertin und wir steckten die Ziele für die nächsten zwei Wochen ab. Ursprünglich hatte ich mich für das Risk-Management beworben und darauf habe ich mich eingestellt. Ich habe meine Unterlagen aus dem Studium wieder herausgezogen, bis, zwei Wochen vor Anreise, die Anfrage kam ob ich nicht in das Themengebiet Unternehmensplanung wechseln kann. Also wurde darüber gesprochen, was benötigt wird und wie die Stiftung sich meine Aufgabe vorstellt. Ergebnis: Ich soll 9 Tage später eine Schulung für Bankmanager vor Ort durchführen zum Thema: Unternehmensplanung, strategische Zielplanung, HR-Management. Am Ende des Gespräches wusste ich, was tatsächlich meine Aufgabe vor Ort ist.

Um das ganze nochmal etwas einzuordnen:

Die NCASCA (National Central Association for Savings and Credit Associations) ist ein Dachverband für ca. 190 SCAs (Savings and Credit Associations) in ganz Moldau. Die SCA sind nicht-kommerzielle Banken (das ist für mich schon ein Widerspruch, aber ok) und machen nur ca. 10% des Marktanteils im gesamten Bankensystem in Moldau aus. Jede SCA ist komplett eigenständig und hat zwischen 3 und 20 Mitarbeiter, es gibt nur wenige Zusammenschlüsse untereinander. SCAs dürfen nur Einlagen und Kredite vergeben und das auch nur, wenn sie die entsprechenden Lizenzen haben. Teilweise hatten einzelne nur Kreditvergabelizenzen.

Dann ging das Projekt los, mit einem riesigen Themengebiet vor mir machte ich mir Gedanken, was soll ich alles einbauen und vor allem wie tief. Auf die Nachfrage, welche Basis im Durchschnitt so vorhanden ist, kam nur die Antwort: „Eigentlich keine, die meisten arbeiten einfach vor sich hin“. Daraufhin waren meine Bedenken vom Flug immerhin Geschichte - mehr als „nichts“ sollte hinhauen. Mit der Info sammelte ich meine ersten Themen und Inhalte zusammen. Welch ein Glück, dass ich meine Studienskripte alle online habe 😉

Am nächsten Tag durfte ich dann den Direktor des Bankenverbandes NCASCA kennenlernen. Wir stellten ihm kurz vor, welche Themen wir uns überlegt haben. Damit mir aber nicht zu langweilig wird, hat er noch zwei Themen draufgepackt, auf die ich speziell eingehen soll. Hinzu kamen, Anwendung von KPIs im operativen Geschäft und Möglichkeiten zur Erhöhung der Marktdurchdringung.

Alles in allem, kann man mit den Themengebieten auch ein ganzes Studium füllen, aber hey, in einem Tag bringt man das schon irgendwie unter, ich habe ja eine Woche Zeit zur Vorbereitung.

Am Abend wurde ich dann zum Stammtisch eingeladen, mit Deutschen, die in Chişinău leben und arbeiten. Es war sehr interessant zu erfahren, was sie alle hier machen. Eigentlich war es ein bunt gemischter Haufen, OSCE Mitarbeiter, IT-ler, Lehrer, der Imam von Moldau, Anwälte, Handwerker, es war eigentlich alles vertreten. Alles super nette Leute, ich habe mich sofort wohl und aufgenommen gefühlt, obwohl ich nur zwei Wochen da bin. 

In den nächsten Arbeitstagen erfolgten Besuche bei einzelnen SCAs um das System kennenzulernen und direkt Fragen zu stellen, um die tatsächliche Basis des Wissens zu ermitteln. Nach ein paar ernüchternden Gesprächen, ernüchternd in Bezug auf vorhandenes Basiswissen, folgte bei einer Bank mein Highlight:

Auf die Frage, ob die Bank einen Businessplan oder einer Strategie folgt, kam die Antwort: ja wir haben einen vor 6 oder 7 Jahren gemacht, weil wir eine neue Lizenz haben wollten, seitdem benutzen wir den aber nicht mehr, sondern schauen nur zum Spaß mal rein. Bei derselben Bank auf die Frage, wie sie denn bisher Kunden angehen, um die Marktdurchdringung zu erhöhen, kam die Antwort „gar nichts, wir warten bis die Kunden zu uns kommen“. Da war ich kurz fassungslos und dachte mir, das gibt’s jetzt echt nicht, der vera…t mich doch, aber es war wohl sein voller Ernst. Meinen vorbereiteten Fragenkatalog habe ich dann über den Haufen geschmissen.

Das war allerdings ein extremes Beispiel, es gab auch SCAs die zumindest eine Jahresplanung haben und versuchen Werbung zu machen. Nach dem Gespräch habe ich meine Präsentation überarbeitet und es versucht so einfach wie möglich zu halten, da das Niveau noch geringer war als von der Bankexpertin angenommen.

Am Wochenende hatte ich frei und nutzte die Zeit um ein paar Sehenswürdigkeiten anzuschauen. Am Samstag war ich in der Hauptstadt selbst unterwegs, viele Sehenswürdigkeiten sind es aber nicht, dafür sehr schöne Parks mit netten Cafés an jeder Ecke.

Markt
Markt
Café in der Hauptstadt
Café in der Hauptstadt
Kirche in der Hauptstadt
Kirche in der Hauptstadt

Das Wochenende war rum und die Präsentation musste am Montagmittag fertig sein, da sie noch auf Rumänisch (Amtssprache in Moldau) übersetzt werden muss. 

Dann kam der Tag der Präsentation, geladen waren die Manager aus 12 SCAs und zudem wurde für alle Interessierten ein Livestream eingerichtet. Im Nachhinein habe ich erfahren, dass hier weitere 60 Personen teilgenommen haben, war wohl gut das ich das erst später erfahren habe. Eigentlich keiner der Anwesenden konnte Englisch, deswegen wurde eine Dolmetscherin eingeladen. Das wusste ich zwar vorher, war aber auch eine herausfordernde Situation und ich musste in meiner Planung ihren Redeanteil auch noch berücksichtigen und mich selbst unterbrechen, damit sie Zeit für die Übersetzung hat. Ich präsentierte also meine Ergebnisse der letzten Woche, beantwortete viele Fragen und erzählte auch wie bei uns in Deutschland die Planung gehandhabt wird. Und zack, 5h später wars vorbei.

Im Anschluss hatte ich aber dann noch ein Gespräch mit dem Direktor des Dachverbandes und des Projektleiters. Der Direktor saß selbst die ganze Zeit in der Schulung dabei und gab mir auch zwischendurch immer wieder ein kurzes Zeichen, ob soweit alles passt, gerade dann, wenn unter den Teilnehmern Diskussionen ausgebrochen sind und ich keine Ahnung hatte was gerade abgeht, weil ich kein Wort verstanden habe. Sowohl der Direktor und der Projektleiter luden mich sofort ein erneut zu kommen, um die Themen zu vertiefen und das Projekt voranzubringen. Das war für mich das beste Feedback das ich bekommen konnte und wer weiß, vielleicht gibt es ja eine zweite Runde.

Allgemein kann ich zur Region noch folgendes sagen:

Trotz der innerpolitischen Spannung im Land, wie im Referendum Anfang November 2024 erkennbar (50,4% pro Europa, 49,6% pro Russland), ist das Land und seine Einwohner sehr friedlich, hilfsbereit und gastfreundlich. Auch in der zentrumsnahen Lage der Unterkunft zum Regierungsviertel, meines Hotels und des Büros, waren keine politischen Spannungen zu spüren, keine Proteste, Aufmärsche, Demonstrationen oder sonst was. Ich habe mich auch in Abendstunden, egal wo in der Stadt, sicherer und wohler gefühlt als in mancher deutschen Großstadt tagsüber. Durch die Besuche in den einzelnen SCAs bin ich durch das ganze Land gereist, auch hier zeigt sich das gleiche Bild. Das im Nachbarland Krieg herrscht war auch nicht zu merken obwohl teilweise nur wenige Meter zum Grenzübertritt in die Ukraine gefehlt haben. 

Landkarte von Moldau
Landkarte von Moldau
Traditionelles Essen in Moldau
Traditionelles Essen in Moldau

Das Essen ist hervorragend, leider weiß ich nicht mehr wie die Sachen heißen und auch nicht so ganz was drin war. Mir wurde es eigentlich immer von Einheimischen empfohlen. Das Preisniveau ist mit deutschem Gehalt sehr niedrig (Black-Angus Burger mit Pommes und Bier im Restaurant ca. 9€). Die Landschaft besteht hauptsächlich aus Feldern, von Getreide bis Wein. Wein ist übrigens das Hauptexportgut aus Moldawien und schmeckt richtig gut.

Alles in allem, war es eine tolle Reise mit vielen Eindrücken und neuen Erfahrungen. Ich kann nur jedem empfehlen, wenn sich die Chance bietet, dass gleiche zu tun. Es hat richtig Spaß gemacht! 😊

 

Viele Grüße 

Benedikt Heid 

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