Analyse der Sparkasse Allgäu und der LBS Süd: Hohe Nachfrage auf dem Markt für Wohnimmobilien im Allgäu
, Nina HammererKempten, 17. Juli 2026 – Das eingependelte Zinsniveau und die stabilisierten Preise für gebrauchte Wohnimmobilien haben im vergangenen Jahr auch im Allgäu für eine fortgesetzte Erholung des Bestandsmarktes gesorgt. Die wachsende Nachfrage nach Immobilien belegt, dass viele Menschen sich inzwischen an die neue Marktsituation gewöhnt haben und wieder Zutrauen entwickeln. Die ökonomischen Folgen des Iran-Krieges könnten allerdings zu einem Dämpfer in der Markt-Erholung führen, erklärten Vertreter der Sparkasse Allgäu und der LBS Süd heute bei einem Pressegespräch. Bauspardarlehen sind in der Region weiterhin stark gefragt.
„Nach wie vor wünscht sich die Mehrheit der Menschen in Deutschland ein Eigenheim. In jüngster Zeit spielt dabei die Befreiung von der Sorge über die stark steigenden Mieten eine große Rolle. Nur 22 Prozent der Menschen in Deutschland sind der Meinung, dass das Wohnen zur Miete günstiger wäre als der Eigentumserwerb. Des Weiteren halten 74 Prozent die eigene Immobilie für eine sichere Altersvorsorge wie der Kantar-Trendindikator zeigt“, sagte Gerhard Grebler, Vorstandsmitglied der LBS Süd. Auch das Interesse an Eigenheimen in der Region ist nach wie vor groß. „Die anhaltend hohe Nachfrage hat für stabile Preise gesorgt. Das Preisniveau bietet nach wie vor Chancen für Käufer auf dem Gebrauchtmarkt – insbesondere, wenn man bereit ist Kompromisse bei Lage und Ausstattung einzugehen“, sagte Angelo Picierro, Vorstandsmitglied der Sparkasse Allgäu.
So sind die Immobilienumsätze im vergangenen Jahr erneut gestiegen. 2025 sind in Bayern Wohn- und Gewerbeimmobilien mit einem Wert von gut 54 Milliarden Euro ge- und verkauft worden – etwa neun Prozent mehr als im Vorjahr, wie sich aus dem Grunderwerbsteueraufkommen errechnen lässt. In Kempten betrug das Volumen der Immobilientransaktionen 297 Millionen Euro und in Kaufbeuren 288 Millionen Euro. Im Durchschnitt der letzten zehn Jahre lag der Wert in Kempten bei 279 Millionen Euro und in Kaufbeuren bei 180 Millionen Euro. Die Kreise Ober- und Ostallgäu verzeichneten im vergangenen Jahr ein Transaktionsvolumen von 586 bzw. 503 Millionen Euro. Im Durchschnitt der letzten zehn Jahre lagen die Werte im Kreis Oberallgäu bei 533 und im Kreis Ostallgäu bei 426 Millionen Euro.
Detaillierte Angaben zu den Immobilienpreisen enthält der Marktspiegel der Sparkassen-Finanzgruppe. Demnach werden gebrauchte freistehende Häuser im Allgäu für 495.000 bis 1,8 Millionen Euro angeboten, gebrauchte Doppelhaushälften und Reihenhäuser für 350.000 bis eine Million Euro und Eigentumswohnungen für 2.200 bis 8.000 Euro pro Quadratmeter. Baugrundstücke kosten zwischen 250 und 1.500 Euro pro Quadratmeter. Doppelhaushälften und Reihenhäuser sind für 585.000 bis 1,2 Mio. Euro zu haben und neue Eigentumswohnungen für 4.300 bis 10.000 Euro pro Quadratmeter.
Der Bedarf an Wohnraum wird in Bayern auch in Zukunft hoch bleiben. Der aktuellen Bevölkerungsvorausberechnung des Landesamts für Statistik zufolge werden 2044 gut 278.000 mehr Menschen im Freistaat leben als derzeit. Knapp 14 Millionen Einwohner wird Bayern dann haben. In erster Linie ist das auf Zuzug aus anderen Teilen Deutschlands und dem Ausland zurückzuführen. Laut der Prognose des Landesamts für Statistik wird die Bevölkerungszahl 2044 in Kempten bei etwa 69.100 liegen. Das entspricht einem Wachstum von gut zwei Prozent. In Kaufbeuren wird Bevölkerung im selben Zeitraum auf rund 49.900 und damit um acht Prozent anwachsen. Im Landkreis Oberallgäu werden es knapp 159.500 Einwohner sein – knapp drei Prozent mehr als heute – und im Landkreis Ostallgäu rund 151.000 Einwohner, was ein Plus von gut sechs Prozent bedeutet.
Während der Bedarf an Wohnraum hoch bleibt, ist die Zahl der Neubauten weiter gering. 2025 wurden in Bayern gut 46.000 Wohnungen fertiggestellt. Das ist ein Rückgang von rund 16 Prozent im Vergleich zum Vorjahr und liegt weit unter dem postulierten Bedarf von etwa 70.000. „Damit macht sich jetzt der Einbruch bei den Baugenehmigungen nach der Zinswende von 2022 bemerkbar. Denn die Fertigstellungen resultieren in der Regel aus den Genehmigungen der vergangenen ein bis zwei Jahre“, erklärte Grebler. Naturgemäß unterliegt die Bautätigkeit regional stärkeren Schwankungen – insbesondere getrieben von der Verfügbarkeit von Bauland und aktuell auch beeinflusst von den hohen Baukosten. „Auch wenn die Zahl der Baufertigstellungen in den vergangenen Jahren ein hohes Niveau erreicht hat, benötigen wir weiterhin einen aktiven Neubau, um der differenzierten Nachfrage gerecht zu werden“, sagte Picierro.
Insgesamt konnte die Sparkasse Allgäu im vergangenen Jahr 227 Objekte am Immobilienmarkt vermitteln. Der Wert der Kaufobjekte hat 74,4 Millionen Euro erreicht. Die Darlehenszusagen für Baufinanzierungen beliefen sich auf 392,4 Millionen Euro.
Erholungstendenzen auf dem Immobilienmarkt zeigen sich auch in den anhaltend hohen Kreditauszahlungen der LBS Süd. Mit knapp 1,8 Mrd. Euro entfiel mehr als die Hälfte davon auf Bauspardarlehen, die im aktuellen Finanzierungsumfeld zunehmend gefragt sind. Das Volumen der bewilligten Bauspardarlehen hat sich seit der Zinswende von 2022 fast vervierfacht. „Diese Entwicklung belegt den Kernnutzen des Bausparens. Unsere Kundinnen und Kunden profitieren von fixen Darlehenszinsen, die deutlich unterhalb des erhöhten Marktniveaus liegen“, sagte Grebler. Die Sparkasse Allgäu hat 2024 Bauspardarlehen in einer Summe von knapp 24 Millionen Euro bewilligt. Das ist ein Plus von knapp 28 Prozent gegenüber dem Vorjahr. „Mit einem Bausparvertrag lassen sich feste Zinsen über 20 oder mehr Jahre darstellen. Damit trägt das Bausparen auch in unserer Region wirksam zur Stabilisierung von Immobilienfinanzierungen und zur Bildung von Wohneigentum bei“, so Picierro.

