„Nun wächst der Bau endlich nach oben“

, Laura Wiedemann (Allgäuer Zeitung)

Der Abriss ist beendet und die Rohbauarbeiten in der Kemptener Innenstadt starten. Zur Grundsteinlegung blickt die Sparkassen-Führung auf zehn Jahre Planungszeit zurück.

Kempten Wände wurden eingerissen, Bagger hoben eine Baugrube aus und Archäologen fanden Spuren der Vergangenheit: Der Abbruch, der im Dezember in der Königstraße 18/20 und in der Horchlerstraße 3 begann, ist nun abgeschlossen und der Rohbau für das neue Sparkassenquartier kann entstehen. „Danke an alle Nachbarn, die Lärm und Staub in den vergangenen Monaten ausgehalten haben“, sagte Sparkassen-Vorstandsmitglied Heribert Schwarz bei der Grundsteinlegung und dankte den Bauarbeitern für ihre umsichtige Arbeit. Nach zehn Jahren der Vorbereitung wachse der Bau „nun endlich nach oben“.

Im Jahr 2017 waren die Gespräche für die Entwicklung des neuen Areals gestartet, das Wohnen, Arbeiten und öffentliche Räume verbinden will. Nach und nach wurden die Bestandsgebäude in den darauffolgenden Jahren entmietet, standen für Zwischennutzungen zur Verfügung oder bis zum Baustart leer. Dieser wurde immer wieder verschoben, unter anderem weil intensivere Planungen als ursprünglich erwartet in Bezug auf den Denkmalschutz nötig waren.

Auch an den Architektenwettbewerb, der im Oktober 2023 zum Abschluss kam, erinnerte Schwarz in seiner Ansprache. Der Siegerentwurf stammt vom Büro „kbnk Architekten“ aus Hamburg und sieht entlang der Königstraße einen Neubau in Holz-Hybrid-Bauweise mit Giebeldächern vor.

Schwarz bedankte sich im Zuge dieser Rückschau auch bei dem früheren Sparkassen-Chef Manfred Hegedüs, der Ende 2024 in Ruhestand ging. Er sei der „Urvater“ des neuen Sparkassenquartiers und habe dem Projekt „Herz und Leidenschaft“ verliehen.

Auch ein Baustellen-Update gab Schwarz den Gästen aus Politik, Wirtschaft, Stadtverwaltung und Nachbarschaft. Der Rohbau soll bis Anfang des Jahres 2027 fertiggestellt sein. Für die ensemblegeschützten Gebäude Horchlerstraße 1, Promenadestraße 7 und 9 werden Fundamente und Bestand gesichert. Die „besondere historische Tiefe“ hob Schwarz hervor – die alte Stadtmauer soll optisch eingebunden werden; die Bausubstanz der Promenadestraße 5 stamme teils aus dem 14. Jahrhundert, weshalb dieses Gebäude in einem gesonderten Bauabschnitt ab dem Jahr 2028 behandelt werde.

Mit der Fertigstellung der Neubauten im ersten Halbjahr 2028 sollen 2500 Quadratmeter an Gewerbeflächen etwa für Einzelhandel, Gastronomie, Büros und gesundheitliche Versorgung entstehen, 1500 Quadratmeter an Wohnfläche sowie ein Sparkassensaal mit 200 Plätzen. Schwarz: „Wir wollen einen offenen, lebendigen, dauerhaften und wertvollen Ort schaffen und die nördliche Innenstadt beleben.“ Knapp 40 Millionen Euro investiert die Sparkasse Allgäu dafür. Dass dieser finanzielle Einsatz der Stadt Kempten eine Chance bietet, hob Oberbürgermeister Christian Schoch hervor: „Es ist schön, dass es so ein Areal geben wird.“ Stefan Bosse, Kaufbeurens Oberbürgermeister und Verwaltungsratsvorsitzender der Sparkasse Allgäu, lobte, dass die Bürgerinnen und Bürger in Kempten bei dem Gestaltungsprozess mitgenommen werden.

Auch mit den von Kita-Kindern gestalteten Bauzaunbanner zeige das Bankinstitut, dass es für die künftigen Generationen baue, sagte der evangelische Pfarrer Hartmut Lauterbach in seinem Segensspruch: „Vertrauen, Verantwortung, Solidarität. Gott schenke diesem Gebäude der Stadt Bestes.“ Der katholische Stadtpfarrer Thomas Rauch blickte auf historische Grundsteinlegungen wie die der benachbarten Basilika St. Lorenz und Residenz nach dem 30-jährigen Krieg zurück: „Das zeigt uns, dass man mit Hoffnung auch in schwierigen Zeiten Großes bewegen kann.“

Gemeinsam befüllten die Verantwortlichen um Projektleiter Jürgen Marx eine Zeitkapsel mit einer aktuellen Ausgabe von Allgäuer Zeitung und Kreisbote, Lage- und Bauplänen sowie einigen Jubiläumsmünzen.

mit freundlicher Genehmigung der Allgäuer Zeitung

v.l.n.r.: Tobias Streifinger (Sparkasse Allgäu, Vorstandsvorsitzender), Hartmut Lauterbach (evangel. Stadtpfarrer), Thomas Rauch (kathol. Stadtpfarrer), Angelo Picierro (Sparkasse Allgäu, Vorstandsmitglied), Johannes Henn (2XM Baumanagement, Objektüberwachung/Bauleitung), Martin Bodenmüller (2XM Baumanagement, Geschäftsleitung),Gökhan Akca (2XM Baumanagement, Objektüberwachung/Bauleitung), Christian Schünemann (kbnk architekten, Geschäftsleitung), Markus Weinrich (kbnk architekten, Architekt), Madlene Heims (kbnk architekten, Architektin), Manfred Hegedüs (ehem. Vorstandsvorsitzen der Sparkasse Allgäu), Jürgen Marx (Sparkasse Allgäu, Projektleiter Sparkassenquartier), Heribert Schwarz (Sparkasse Allgäu, Stellv. Vorstandsvorsitzender)